Jugend hackt Inside Story

Inter­kultu­relle Zukunfts­werk­statt


„Ich wollte noch einmal Danke sagen: Ich bin das erste Mal bei Jugend hackt dabei, ich habe davor nichts mit Programmieren zu tun gehabt. Es ist einfach super, dass ich mitmachen konnte”, sagt Ferdin (15) auf der Bühne von Jugend hackt in Berlin im Oktober 2021.

Gerade hat er vor Publikum das Projekt vorgestellt, das er in den vergangenen anderthalb Tagen gemeinsam mit Furkan (18) entwickelt hat.

Technische Hilfsmittel gegen den Personalmangel in der Pflege

Die Idee hinter “Signal Pattern”: Sensoren am Körper messen Muskelimpulse und erkennen, wenn ein Notfall vorliegt. Beim Prototyp, der auf dem Tisch vor den beiden Jugendlichen liegt, sind es noch einfache Schalter, auf die man drücken muss. Würde man das Projekt weiterentwickeln, könnte dabei ein Ärmel mit Elektroden entstehen, der den Notfallknopf für Senioren ersetzen kann. Solche technischen Hilfsmittel werden angesichts des wachsenden Personalmangels in der Pflege immer wichtiger, hatten Ferdin und Furkan eingangs erklärt.

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Ferdin (schwarzer Pullover) gemeinsam mit Furkan (violetter Pullover) beim Entwickeln des Projekts. Fotocredit: CC BY 4.0 Leonard Wolf/Jugend hackt

Wenn man die Präsentation verfolgt, glaubt man zwei vertraute Schulfreunde zu sehen. Dabei kennen sich die beiden Jugendlichen erst seit weniger als 48 Stunden. Furkan hatte es nicht weit zum Event, er geht in Berlin aufs Gymnasium. Ferdin dagegen im ostwestfälischen Minden. Er ist nicht alleine angereist – sondern in einer Gruppe von sieben jungen Menschen. Begleitet werden sie von Jörg Kaske.

Softwareentwicklung in der ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe

„Ich bin für die Jugendlichen wie der Onkel”, sagt Kaske und lacht. Der Mathematiker ist in Nordrhein-Westfalen in der Software-Entwicklung tätig und engagiert sich seit über sechs Jahren in der “Zukunftswerkstatt Hafenschule” in Minden. Im ehemaligen Schulgebäude zwischen Bahnhof und Weser fanden ab 2015 zahlreiche Geflüchtete einen ersten Unterschlupf in Deutschland. Jörg Kaske und viele andere Freiwillige vor Ort halfen ihnen beim Ankommen: Amtsgänge, Deutschkurse, Wohnungssuche, Bildung.

Kaske suchte nach Möglichkeiten, sein Fachgebiet in die ehrenamtliche Flüchtlingshilfe einzubringen: “Ich bin überzeugt, dass das Technikinteresse bei jungen Leuten viel mehr geweckt werden muss, damit die Chancen in der Digitalisierung für alle auch genutzt werden können.” Bei der Suche nach einem Format für Jugendliche, bei dem es um IT und Bildung geht und bei dem man möglichst kostenlos und unbürokratisch teilnehmen kann, stieß er 2018 auf Jugend hackt: “Das passte, weil Jugend hackt sehr offen dafür ist, dass junge Leute aus verschiedenen Kulturen mitmachen.”

Im Herbst 2019 fuhr er zum ersten Mal mit einer Gruppe der Hafenschule nach Berlin zum großen Jugend hackt Event und konnte miterleben, wie “seine” Jugendlichen Teil der 110 Teilnehmer:innen wurden und sich nach dem Brainstorming auf verschiedene Projekte verteilten. Sie programmierten unter anderem im Naturkunst-Projekt “Remixing the Garden” oder bauten am “Wi-Fi Bike” mit, einem Leihfahrrad, das einen offenen Internetzugang bereitstellt.

Big City Vibes: Von Minden in die Hauptstadt

Ziemlich genau zwei Jahre später geht es in Berlin nahtlos weiter, als hätte es das Corona-Jahr 2020 ohne Event gar nicht gegeben. Das Team von Jugend hackt war hocherfreut, als im Vorfeld eine E-Mail von Jörg Kaske eintraf: Ob er wieder mit einer Gruppe aus der Hafenschule dabei sein könne?

JH-Berlin-2021-Aufkleber und Masken mit Logo

Die Reise zu Jugend hackt nach Berlin ist für ihn ganz bewusst ein Wochenende in einer anderen Umgebung: “Bei uns in der beschaulichen Provinz würde das Format sicher anders aussehen. Allein schon den Code of Conduct von Jugend hackt würden viele Menschen nicht auf Anhieb verstehen, und es besteht die Gefahr, dass er nicht ernst genommen wird. Für die Jugendlichen ist es aber total wichtig aus genau dieser Sicherheit agieren zu können”, meint Kaske.

Das sehen auch die Teilnehmer:innen aus Minden so: Fünf der jungen Menschen, die 2019 schon dabei waren, sind im Oktober 2021 bewusst wieder zu Jugend hackt gekommen, dazu kamen zwei neue: Feriba und ihr Bruder Ferdin. Sie alle nehmen von Jugend hackt verschiedene Impulse mit nach Hause: Einblicke in Programmiersprachen, neue Bekanntschaften und eine besondere Atmosphäre. Das Team von Jugend hackt freut sich auf ein Wiedersehen.

Die Projekte 

Zehn tolle Projekte sind insgesamt auf dem Event entstanden – alle basieren auf den Ideen der Jugendlichen. Die Projektvorstellungen kann man sich noch einmal als Aufzeichnung bei Youtube ansehen.

Das war’s

Nach einer so langen Pause endlich wieder ein Event, bei dem viele Menschen persönlich zusammenkommen konnten. Das gibt Hoffnung für 2022. Wir freuen uns, dass wir euch als Sponsor bei diesem tollen Event unterstützen konnten!

 

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