Arbeitgeber: Keine Chance ohne wertpapiergebundene Versorgungszusagen


Der durch die demographische Entwicklung ausgelöste Fachkräftemangel zeigt sich in vielen Branchen immer gravierender und wird sich in den nächsten Jahren weiter verschärfen. Offene Stellen können schon lange nicht mehr 1:1 besetzt werden. Entsprechend qualifizierte Arbeitnehmer können sich in ausgewählten Branchen das Unternehmen im Grunde aussuchen. Auf diesen Arbeitnehmermarkt sollten sich Unternehmen einstellen und entsprechende Vorkehrungen treffen, um für junge kluge Köpfe attraktiv zu sein.

Aktuelle Studien beweisen, dass für jüngere Bewerber (18-35 Jahre) nach wie vor die betriebliche Altersversorgung (bAV) ein wichtiges Motiv bei der Entscheidung für einen Arbeitgeber ist. Unternehmen, die attraktive Angebote anbieten, sichern sich im War for Talents einen Vorsprung. Besonders überzeugend sind dabei rein arbeitgeberfinanzierte Angebote sowie arbeitnehmerfinanzierte Lösungen, wenn die Arbeitgeber sich mit Zuschüssen beteiligen, die über den verpflichtenden Zuschuss hinausgehen.

Den Zeitgeist treffen

Bei der Ausgestaltung entsprechender Angebote ist es wichtig, den Zeitgeist der jungen Mitarbeiter zu treffen und zu wissen, wie diese denken. Influencer und Trading Apps haben in den letzten Jahren dafür gesorgt, dass sich immer mehr junge Menschen mit Börse und Wertpapieren befassen. Sogar in der Schule werden Kinder behutsam und spielerisch mit entsprechenden Planspielen an das Thema Wertpapiere herangeführt. Dadurch steigt die Bereitschaft, bei der Kapitalanlage mehr Risiken einzugehen, insbesondere wenn es sich wie bei der betrieblichen Altersversorgung um einen langfristigen Kapitalaufbau handelt.

Was heißt das jetzt für die Einrichtung einer neuen betrieblichen Altersversorgung?

Unternehmen müssen dieser Entwicklung Rechnung tragen und moderne Versorgungswerke mit verschiedenen Garantiemodellen anbieten, die entsprechend renditestark und kostengünstig sind. Die bAV-Verträge müssen kommunikativ so aufbereitet werden, dass diese einfach abschließbar sind und deren Erfolg transparent über die Gesamtlaufzeit von überall aus nachvollziehbar ist. Apps bzw. Portallösungen sind unabdingbar, da der Versorgungsberechtigte diese aus seinem Umfeld gewohnt ist.

Attraktive wertpapiergebundene Versorgungszusage

Die wertpapiergebundene Versorgungszusage ist eine Direkt- bzw. Pensionszusage, die der Arbeitgeber seinem Arbeitnehmer erteilt und stellt in Kombination mit einer Direktversicherung die aktuell wahrscheinlich modernste Form der betrieblichen Altersversorgung dar.

Die Höhe der Versorgungszusage ergibt sich aus dem Wert der Kapitalanlage und ist daher im Grunde eine reine Beitragszusage (rBz). Da aber die rBz nach Betriebsrentengesetz nicht zulässig ist, muss sie als beitragsorientierte Leistungszusage ausgestaltet werden. Dies bedeutet, dass der Arbeitgeber einen „garantierten Mindestbetrag“ zusagen muss. Die Versorgungsleistung in Höhe des Mindestbetrages muss demnach auch dann gewährt werden, wenn der Wert der Wertpapiere nicht zur Deckung der garantierten Leistung ausreicht.

Die Kapitalanlage wird in der Regel verpfändet oder über ein Treuhandmodell (Contractual Trust Arrangement (CTA)) gesichert. Das Kapital gilt dann als für Vorsorgezwecke reserviertes Kapital und muss in der Bilanz mit der Verpflichtung bzw. mit der Rückstellung saldiert werden. Bei entsprechender Gestaltung, z. B. bei 100 % Ausfinanzierungsgrad, bedeutet dies, dass keine Rückstellungen in der Bilanz zu bilden sind und es keine Auswirkung auf die Bilanzkennzahlen gibt. Lediglich der Beitrag wird als Aufwand in der Gewinn- und Verlustrechnung ersichtlich. Darüber hinaus finden sich im Anhang Informationen zu den Versorgungszusagen.

Auf einen Blick

Die Vorteile der wertpapiergebundenen Versorgungszusage liegen somit auf der Hand:

  • Keine versicherungsmathematische Verpflichtung für eine Handelsbilanz, solange die Wertpapiere nicht weniger wert sind als die garantierte Leistung.
  • Klassisches Problem der Direktzusage bzgl. des stetig sinkenden Zinses für die Bewertung der Pensionsrückstellung besteht nicht.
  • Unternehmen genießen alle Freiheiten bei der Wahl der Kapitalanlage und können somit auch auf renditestarke Anlageformen (Wertpapiere) setzen.
  • Spätere einvernehmliche Änderungen der Kapitalanlage sind möglich, so dass flexibel auf sich ändernde Rahmenbedingungen reagiert werden kann.
  • Möglichkeit hoher Einzahlungen bspw. Boni nahezu steuerfrei
  • Häufig geringere Kostenstrukturen als bei klassischen Versicherungsprodukten
  • Versorgungsleistung kann individuell ausgestaltet werden (Einmalzahlungen in 5 Raten, lebenslange Rente).
  • Eine Berufsunfähigkeitsversicherung kann über die Direktversicherung abgesichert und kombiniert werden.

Die Gründe, die aktuell Unternehmen davon abhalten, wertpapiergebundene Versorgungszusagen zu erteilen, liegen in erster Linie darin, dass Arbeitgeber, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer der Direktzusage grundsätzlich kritisch gegenüberstehen und der Verwaltungsaufwand höher als bei versicherungsförmigen Durchführungswegen wie z. B. der Direktversicherung eingeschätzt wird. Der Verwaltungsaufwand kann jedoch bei Einsatz einer entsprechenden Systemlösung mit automatisierten Geschäftsprozessen auf ein Minimum reduziert werden. Diese sorgen in Kombination mit Portallösungen für Arbeitgeber und Arbeitnehmer sowie mit virtuellen Depotkonten, die für jeden Arbeitnehmer geführt werden können, für eine transparente Darstellung, klare Kommunikation und effiziente Verwaltung.

Was Arbeitgeber jetzt zur Einführung einer wertpapiergebundenen Versorgungszusage tun müssen

  1. Besprechen Sie das Thema mit Ihrem Steuerberater bzw. Wirtschaftsprüfer.
  2. Klären Sie personalpolitische Ziele des Unternehmens für die bAV sowie finanzielle Rahmenbedingungen.
  3. Wählen Sie einen Anbieter aus, der Sie bei der Einführung berät. Insbesondere die Gestaltung der Zusage sowie die Auswahl des Investmentmodells müssen gut überlegt werden.
  4. Beziehen Sie frühzeitig den Betriebsrat sowie relevante Abteilungen wie Group IT, Payroll, Accounting, Steuer mit ein.
  5. Legen Sie fest, wie die Zusage administriert werden soll. Die Frage, die Sie für sich beantworten müssen: Habe ich das Know-How und eine geeignete Softwarelösung im Unternehmen, um die Verwaltung selbst durchführen zu können oder ist es sinnvoller, die Administration komplett oder teilweise auf einen externen Dienstleister auszulagern?
  6. Machen Sie sich Gedanken, wie das Onboarding der Administration mit Datenzusammenstellung und Übertragung erfolgen kann.
  7. Überlegen Sie sich Informations- und Kommunikationsmaßnahmen für die Einführung.

Moderne bAV macht Arbeitgeber attraktiv

Um künftig insbesondere für junge Arbeitnehmer weiterhin ein attraktiver Arbeitgeber zu bleiben, ist es für Unternehmen immens wichtig, sich rechtzeitig mit der Ausgestaltung von modernen Versorgungswerken auseinanderzusetzen. Es empfiehlt sich, von Anfang an einen spezialisierten Berater mit dazuzunehmen und auch die Administration direkt in den Planungen zu berücksichtigen. So gelangen Sie Schritt für Schritt zu einer für Arbeitgeber und Arbeitnehmer attraktiven Lösung.

Sie möchten mehr zu dem Thema erfahren? Unser Experte Jens Gustenhoven, Senior Business Developer, wird Sie gerne beraten.

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