Interview: Neue Technik als Chan­cen­geber in der Asse­ku­ranz

Interview: Neue Technik als Chan­cen­geber in der Asse­ku­ranz


 

Karsten Schmitt ist seit April 2015 als Senior Business Development Manager bei adesso insurance solutions tätig. Dabei ist er insbesondere für die Bereiche Bestandsführung und Schadenmanagement Komposit sowie intelligente Strukturierung von Daten zuständig. Wir haben ihn zu den Themen Künstliche Intelligenz und neue Technik im Versicherungsbereich der Zukunft interviewt:

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Die technologischen Möglichkeiten entwickeln sich immer rasanter. Das eigene Zuhause von unterwegs aus zu steuern, ist bei einigen Konsumenten schon Alltag – das sogenannte „Internet der Dinge“. Ist neue Technik dieser Art für den Versicherungsbereich überhaupt relevant, Karsten?

Auf jeden Fall. Im vergangenen Jahr haben wir eine Studie zum Thema Zukunft der Kompositversicherung durchgeführt, die auf einer repräsentativen Expertenbefragung basiert. Dabei kam heraus, dass gerade Themen wie „IoT“, also „Internet of things“, oder Künstliche Intelligenz einen bedeutsamen Einfluss vor allem auf die Entwicklung der Kompositversicherung haben werden.

 

Was genau bedeuten Entwicklungen dieser Art denn für die Zukunft der Assekuranz?

Um zu klären, welche Auswirkungen diese technischen Neuerungen haben, muss man darauf schauen, wie sie funktionieren. Um beispielsweise die eigene Haustür von unterwegs abschließen zu können, müssen Sensoren vorhanden sein, die zunächst den Ist-Stand erkennen. Hier werden Daten gesammelt, mit denen es wesentlich einfacher ist, zum Beispiel Einbrüche zu erkennen oder diese sogar zu verhindern. Anhand dieser Daten ist dann die Bearbeitung der Schäden für den Versicherer wesentlich schneller und einfacher möglich. Oder es ist auch möglich, Risikoanalysen zu erstellen, anhand derer neue individuelle, auf den einzelnen Versicherungsnehmer angepasste Tarife kreiert werden können. Und hier kommt auch das Thema Künstliche Intelligenz ins Spiel: Über Musterkennung wird die Identifizierung von Betrugsversuchen wesentlich besser. Die Möglichkeiten sind vielfältig und fangen hier erst an.

 

Für Versicherungen hört sich das doch insgesamt sehr positiv an. Gibt es denn auch Bereiche, die Versicherungsunternehmen dennoch nicht außer Acht lassen sollten?

Selbstverständlich. Mit den neuen technischen Möglichkeiten hat sich auch die Kundenerwartung enorm verändert. „Amazonisierung“ ist hier ein passendes Stichwort. Kunden sind es gewohnt, alles zu jeder Zeit bekommen zu können – und das auch unabhängig davon, von wo aus und worüber sie es anfordern. Ich bin in einer fremden Stadt und buche mir schnell ein Zimmer über die AirBnB-App. Ich möchte eine Drohne ausprobieren, sie aber nicht kaufen? Dann miete ich sie einfach für ein paar Monate schnell und bequem bei Anbietern wie Otto Now. Mit diesen Möglichkeiten hat sich eine Erwartungshaltung auch gegenüber Versicherern entwickelt. Wer diese Erwartungen nicht erfüllt, steht in der Gefahr, sich seine Versicherungsnehmer zu vergraulen. Das ist der eine Punkt.

Ein ganz anderer ist, dass mit diesen Veränderungen auch eine ganz andere Art von Schäden auf die Versicherer zukommt. Der „Einbrecher der Zukunft“ steht nicht vor der Haustür, sondern sitzt am Computer, verschafft sich dort die Daten seiner Opfer und kommt so an deren Geld. Das passiert bereits aktuell und wird in Zukunft mit Sicherheit noch weiter zunehmen. Gegen diese Schadenfälle ganz neuer Art wollen sich die Versicherungsnehmer natürlich versichern.

 

Was können Versicherer tun, um für die Zukunft gewappnet zu sein?

Ein großer Punkt ist hier auf jeden Fall die richtige Technik und der richtige Umgang damit. Um die immer größer werdenden Datenmengen vernünftig auswerten zu können, also zu analysieren etc., sind Clouds und die richtige IT-Strategie unabdingbar. Einen großen Vorteil hat derjenige, der es weiß, mit diesen enormen Datenmengen richtig umzugehen. Eine nicht ganz so leichte Aufgabe, die Versicherungen aber keineswegs alleine lösen müssen. Um Zeit und Geld zu sparen, sind beispielsweise Kooperationen mit InsurTechs und FinTechs möglich. Diese verfügen bereits über das richtige Knowhow und schauen mit einem unvoreingenommenen Blick auf die neuen Herausforderungen. Das ist für die Versicherungsunternehmen natürlich deutlich von Vorteil. Aber auch mit Unterstützung durch erfahrene IT-Dienstleister können Versicherungsunternehmen die Herausforderungen stemmen und sich neuen Wegen öffnen. adesso insurance solutions begleitet z. B. gerade ein klassisches Versicherungsunternehmen beim Aufbau eines neuen Direktversicherers und stellt die komplette Anwendungslandschaft aus der Cloud bereit.

 

 

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