Software as a Service. Eine Alternative für Komposit­versicherer?


Kompositversicherer haben häufig ein historisch gewachsenes und auf Cobol basierendes, monolitisches System. In diesem System sind etliche Fachfunktionen, aber auch verschiedene fachfremde Querschnittsfunktionen, die über viele Jahre hinweg dort untergebracht wurden, verortet.

Bei einer Ablösung reicht es daher nicht, lediglich eines der Kernsysteme oder eines der unterstützenden Systeme auszutauschen. Es muss ein ganzheitlicher Ansatz her, der die komplette Anwendungslandschaft erneuert. Nur so können ein Wandel vollzogen und die meist ambitionierten Ziele der Kompositversicherer in Bezug auf Effizienz und Automatisierung erreicht werden. Doch ist die Neugestaltung einer Komposit-Anwendungslandschaft auch in einem SaaS-Modell sinnvoll? Welche Vor- und Nachteile gibt es und welche Begriffe sind hierbei voneinander abzugrenzen?

Eine Unterscheidung zu den sonst bekannten und klassischen Modellen

On-Premises: In einem Modell basierend auf On-Prem-Software werden die Lizenzen für die Nutzung der Software vom Versicherer erworben und auf einer nicht vom Anbieter der Software bereitgestellten Hardware betrieben. Hierbei fallen also nicht nur die Anschaffungskosten der Software an, sondern auch Kosten zur Miete / Anschaffung der Hardware sowie deren Betrieb.

Infrastructure as a Service (IaaS):
In einem solchen Servicemodell wird die erworbene Software auf der virtualisierten Hardware betrieben. Die Versicherer erwerben dann, anders als in dem On-Premise-Modell keine eigene Hardware, sondern betreiben die Software auf virtuellen Clustern. Der Installation und der Betrieb bleiben jedoch weiterhin in der Verantwortung der Versicherer.

Software as a Service (SaaS):
Das SaaS-Modell basiert auf dem Grundsatz, dass die Software und die IT-Infrastruktur eines Dienstleisters genutzt werden können. Die Versicherer benötigen für die Anwendung der Services lediglich Endgeräte zur Nutzung. Der Aufruf und die Nutzung erfolgen üblicherweise über einen Webbrowser. Die Versicherer müssen somit keine Ressourcen für die Anschaffung von Software und Hardware sowie die IT-Administration aufwenden. Über eine vorher festgelegte monatliche Gebühr ist die Nutzung der Software inkl. aller Kosten abgedeckt.

Vorteile von SaaS-Lösungen

Skalierbarkeit und Flexibilität: Ein SaaS-Modell erlaubt es den Versicherern, insbesondere den jungen insurtechs, die Nutzung der Anwendungen je nach Bedarf zu steuern und somit bei einem organischen oder anorganischen Wachstum (bspw. durch Kauf eines anderen Versicherers) zu skalieren. Die Erweiterung von Kapazitäten und Performance ist in sehr kurzer Zeit in Absprache mit dem Dienstleister möglich und benötigt keine internen technischen Ressourcen außer der Endgeräte für die Anwender.

Wirtschaftlichkeit:
Neben der technischen Skalierbarkeit bietet eine SaaS-Lösung für Versicherer eine Abrechnungsmethode, die je nach Bedarf und Nutzung erfolgt. So kann sichergestellt werden, dass die Entwicklung der Kosten sich an der Entwicklung des Unternehmens orientiert.

Interne IT-Ressourcen:
In einem SaaS-Betriebsmodell benötigen Versicherer wesentlich weniger interne IT-Personalressourcen und können diese in die Entwicklung von Lösungen innerhalb der Kernkompetenz eines Versicherers investieren.

Reibungslose Abläufe und Wartung:
Bei der Nutzung einer kompletten Anwendungslandschaft aus einer Hand können sich die Versicherer auf die aufeinander abgestimmten Prozesse der Systeme verlassen und benötigen keine individuellen Anpassungen an viele unterschiedliche Systeme von verschiedenen Anbietern. Darüber hinaus wird die technische, regulatorische und funktionale Wartung der Software ebenfalls als Service „gebucht“.

Risiken von SaaS-Lösungen

For Für Versicherer gelten besonders hohe aufsichts- und datenschutzrechtliche Anforderungen zur Datenhaltung von Kunden- und Vermittlerdaten. Das betrifft sowohl den On-Premises- als auch den SaaS-Betrieb. Aus diesem Grund müssen besonders explizite und kleinteilige Kontroll- und Steuerungsprozesse mit dem Dienstleister vereinbart werden. Diese Kontroll- und Steuerungsprozesse müssen durch den Versicherer nachgehalten und regelmäßig überprüft werden.

Neben den rechtlichen Herausforderungen gibt es insbesondere für mittelgroße und große Kompositversicherer bei einer Umstellung auf ein SaaS-Modell eine umfangreiche Umstrukturierung der eigenen IT-Organisation. Hierbei muss betrachtet werden, welche Tätigkeiten es zukünftig noch gibt und welche internen Ressourcen hierfür weiterhin benötigt werden. Dies kann dazu führen, dass sich Tätigkeitsprofile verändern und der Bedarf an Personal in der IT geringer wird. Daraus resultiert ein Change-Prozess, der sehr gut geplant und eng begleitet werden muss.

Wieso ein SaaS-Modell gerade für Kompositversicherer sinnvoll sein kann

Kompositversicherer haben im Gegensatz zu Kranken- oder Lebensversicherern in der Regel viel mehr Sparten und dadurch auch differenziertere Anforderungen an die Fachfunktionalitäten der Systeme, die Prozesse und die vielen verschiedenen Schnittstellen untereinander und zu externen Dienstleistern, die es abzudecken gilt. So hat bspw. der Antragsprozess für einen Kraftfahrtvertrag inkl. evB-Vergabe und Versicherwechselanfrage andere Voraussetzungen und Prozesse als der Antragsprozess eines Unfall- oder eines Wohngebäudevertrages. Die verschiedenen Anforderungen in den unterschiedlichen Sparten dauerhaft zu erfüllen, die Systeme funktional und technisch zu warten und zu optimieren, die IT-Infrastruktur zu pflegen und gleichzeitig eine hohe Dunkelverarbeitungsquote zu gewährleisten, stellt besonders für Kompositversicherer regelmäßig eine Herausforderung dar. Aus diesem Grund ist der Bezug von Software und einer IT-Infrastruktur als Dienstleistung aus einer Hand für Kompositversicherer besonders attraktiv.

Fazit

Die Entscheidung für oder gegen ein SaaS-Modell ist auch abhängig von der Ausrichtung des Unternehmens und dessen Größe. So ist es für insurtechs („auf der grünen Wiese“) einfacher, sich aus Gründen der Schnelligkeit und Kosteneffizienz für ein SaaS-Modell zu entscheiden und die IT-Infrastruktur von Anfang an auszulagern als bei einem großen Mehrspartenversicherer mit bestehender Infrastruktur und entsprechenden internen IT-Ressourcen. adesso insurance solutions hat in Zusammenarbeit mit dem damals von der Provinzial Versicherung gegründeten Digitalversicherer andsafe, die komplette Anwendungslandschaft inkl. des Frontends und der notwendigen IT-Infrastruktur in der Cloud innerhalb kürzester Zeit bereitgestellt und den produktiven Betrieb aufgenommen.

Dennoch ist es auch für mittelgroße und große Versicherungsunternehmen mit Blick in die Zukunft sinnvoll, solche Lösungsansätze ernsthaft in Betracht zu ziehen. Durch die Auslagerung an einen Dienstleister wird sichergestellt, dass sowohl die Software als auch die IT-Infrastruktur immer fachlich, funktional, regulatorisch und technologisch auf einem aktuellen Stand sind und sich die Versicherer auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren können.

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