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Personalisierte Versicherungen – sind Versicherer soweit?

Personalisierte Versicherungen – sind Versicherer soweit?


Nur für Leistungen zahlen, die auch in Anspruch genommen werden, oder Rabatte in der Krankenversicherung erhalten, wenn auf die Gesundheit und Fitness geachtet wird – in der Versicherungswelt werden Tarife auf Basis „Pay-per-Use“ oder individuelle Policen intensiv diskutiert. Zwei Fragen stehen im Raum: Ist rechtlich erlaubt, was technisch möglich ist? Und wollen die Kunden das überhaupt? Zumindest darauf gibt es jetzt Antworten.

Sind die Versicherten in Deutschland heute schon bereit, Daten gegen Vergünstigungen bei Versicherungen zu tauschen? Beispielsweise einen preiswerteren Tarif in der Kfz-Versicherung abzuschließen, der sich an den zurückgelegten Kilometern und der Fahrweise orientiert? Einen Bonus in der Lebens- oder Krankenversicherung zu erhalten, wenn viel Sport getrieben wurde? Dieser Frage ist der Branchenverband Bitkom im Rahmen einer Umfrage nachgegangen.

Das Ergebnis zeigt ein durchaus breites Interesse an individualisierten Policen: Drei von zehn Deutschen (29 Prozent) würden gerne Angebote nutzen, bei denen sie ihrer Versicherung persönliche Daten über ihr Verhalten zur Verfügung stellen. Unter jungen Menschen (zwischen 18 und 29 Jahren) liegt der Anteil mit 41 Prozent noch deutlich höher.

Die Befragten sehen in diesen Tarifmodellen durchaus Vorteile. Jeder Zweite (48 Prozent) gibt an, dass personalisierte Versicherungen gerechter sind. Und jeder Dritte (37 Prozent) geht davon aus, persönlich von diesen Policen zu profitieren. So verwundert es nicht, dass über 30 Prozent der Befragten sich von der Politik wünschen, die Nutzung entsprechender Tarife zu erleichtern.

Die Kunden sehen auch Gefahren

Doch bei allen Vorteilen sehen die Versicherten in individualisierten Tarifen auch Gefahren. Immerhin jeder Zehnte befürchtet, vielleicht gar keine Versicherung mehr abschließen zu können. Und fast die Hälfte (45 Prozent) aller Befragten geht davon aus, dass solche Tarife insgesamt zu steigenden Prämien führen.

Ohne KI und Digitalisierung wird es nicht gehen

Bitkom-Präsident Achim Berg meint zum Ergebnis der Befragung: „Versicherungen sollten verstärkt investieren, um die vorhandenen Daten auch zu nutzen und ihren Kunden die Angebote machen zu können, die sie sich wünschen.“

Ein gut gemeinter Appell. Bekanntlich gibt es in Deutschland noch einige regulatorische Hürden zu überwinden, bevor solche höchst personalisierten Tarife überhaupt möglich sind.

Doch selbst wenn diese Hindernisse ab sofort beseitigt wären, müssten die Konsumenten noch einige Zeit auf entsprechende Angebote warten. Denn längst nicht jeder Versicherer ist technologisch überhaupt auf diesen Schritt vorbereitet. Telematik-Tarife in der Kfz-Versicherung erfordern die Auswertung der Daten, die von Sensoren während der Fahrt aufgezeichnet werden. Kranken- und Lebensversicherungstarife müssten Fitness-Daten der Versicherten berücksichtigen. Gigantische Datenmengen, die in Echtzeit verarbeitet und analysiert werden müssen. Und selbst wenn hier mit Insurtechs oder Dritten zusammengearbeitet würde, bliebe die Problematik der Schnittstellen zu lösen, damit die Informationen auch in den Kernsystemen des Versicherers landen.

Für die Verarbeitung und Analyse der zu erwartenden Datenmengen sind KI-Systeme prädestiniert, doch gerade hier fehlt es den Gesellschaften häufig noch an einer Strategie.

Der Bedarf auf Kundenseite ist offensichtlich da. Höchste Zeit, Themen wie KI, Schnittstellenproblematiken und Data-Streaming oben auf die Agenda zu setzen, bevor es ein anderer tut.

 

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