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Gesetzliche Meldeverfahren nachhaltig und effizient umsetzen

Geschrieben von Florian Petermann | 27.01.2026

 

In meinem Blogbeitrag Visionen für den Versicherungsvertrieb - inspiriert durch George Orwell und Aldous Huxley habe ich betrachtet, was für die Zukunft aus Science-Fiction-Romanen und Filmen abgeleitet werden kann. Ein Aspekt ist die politisch/regulatorische Perspektive. In den meisten Romanen ist Europa politisch und wirtschaftlich vereint, um so einen Gegenpol zu den asiatischen, amerikanischen oder anderen (Wirtschafts-) Räumen zu bilden. Wir sehen und kennen solche Entwicklungen tatsächlich bereits heute durch die Europäische Union (EU). Auch im Versicherungssektor sind mit der European Insurance and Occupational Pension Authority (EIOPA) erste direkte Schritte der EU weiten Konsolidierung der Regulatorik erkennbar. Dies führt in Zukunft mit hoher Wahrscheinlichkeit dazu, dass viele regulatorischen Vorgaben in Bezug auf das Meldewesen europaweit angeglichen werden; Transparenz für Kunden in Bezug auf die persönlichen Vermögenswerte oder die Geldwäscheprävention sind nur zwei mögliche Beispiele. 

 

Allerdings müssen wir nicht so weit in die Zukunft blicken. Bereits heute gibt es in Deutschland eine Vielzahl von regulatorischen Meldungen. Insbesondere sind in der Kranken- und Altersvorsorge unter anderem Meldungen zur Förderpflege, Sonderausgabenabzügen und geförderten Produkten wie beispielsweise Riester, abzusetzen. Mit der „Digitalen Rentenübersicht“ und dem „ELStAM-Verfahren“  in der Krankenversicherung (Elektronische Lohnsteuerabzugsmerkmale) sind in den letzten zwei Jahren zwei weitere Meldeverfahren verpflichtend geworden. Vor allem die „Digitale Rentenübersicht“ hat Versicherer und Vorsorgeeinrichtungen nicht nur vor inhaltliche Herausforderungen gestellt. Denn die Anfragen erfolgen nicht mehr zu einem definierten Zeitpunkt, wie beispielsweise einer Auszahlung oder einer Kündigung, sondern können jederzeit direkt durch Kunden und Bürger getätigt werden. Das ist auf der einen Seite zwar kunden- bzw. nutzerfreundlich, erfordert von Versicherern und Vorsorgeeinrichtungen auf der anderen Seite allerdings einen „Rund-um-die-Uhr (24/7)“ Betrieb der „Digitalen Rentenübersicht“.  

 

Da sich für Versicherer und Vorsorgeeinrichtungen mit der Umsetzung regulatorischer Meldeverfahren in der Regel kein Wachstum erzielen lässt, sollten diese schlank einzuführen und effizient zu betreiben sein. Denn mit zunehmenden Meldeverfahren lässt sich nur so die zukünftige Profitabilität nachhaltig sicherstellen.  

 

Synergien für Meldeverfahren nutzen 

Jedes Meldeverfahren benötigt in der Regel eine fachlich umfangreiche Datenversorgung, um die Meldung regulatorisch korrekt zusammenstellen zu können. Es sind meistens Partner- und Vertragsdaten sowie In- und Exkasso-Informationen notwendig, die eine Anbindung der Partnerdatenbank, Bestandsführungssysteme und In-/Exkassokomponenten erforderlich machen. Bei organisch gewachsenen Anwendungslandschaften wurden die einzelnen Meldeverfahren in der Regel sukzessive, je nach Bedarf bzw. gesetzlicher Frist umgesetzt. Das hat dazu geführt, dass für jedes Meldeverfahren eine Vielzahl eigenständiger Schnittstellen zur Datenversorgung implementiert wurde. Vor allem die Anzahl der Schnittstellen hat einen erheblichen Einfluss auf die Komplexität der Anwendungslandschaft, dies zeigt sich unter anderem durch einen hohen Verwaltungs- und Wartungsaufwand der Schnittstellen sowie durch eine langwierige Umsetzung neuer Funktionalitäten, da die Datenkonsistenz und -integrität gewährleistet sein muss. Zu berücksichtigen ist hierbei, dass mit jedem weiteren Meldeverfahren, das eigenständig umgesetzt wird, die Komplexität weiter ansteigt.  

 

Für eine nachhaltige und effiziente Umsetzung heutiger und zukünftiger Meldeverfahren sind vor allem Synergien im Rahmen der Datenversorgung zu nutzen. Denn die fachliche Unterscheidung der einzelnen Meldeverfahren liegt in der Regel darin, wie die Meldesätze aus der (häufig selben) Datenbasis zusammengestellt werden. Mit einheitlichen Schnittstellen zu den relevanten Anwendungen (bspw. der Partnerdatenbank und den Bestandsführungssystemen) über alle Meldeverfahren hinweg, wird die Datenversorgung übergreifend konsolidiert. Damit können die einzelnen Meldeverfahren die zur Verfügung stehenden Informationen nutzen und die Meldesätze gemäß der fachlichen Vorgabe zusammenstellen. Durch die einheitlichen Schnittstellen wird sichergestellt, dass zukünftige Meldeverfahren schlank umgesetzt werden können, da diese auf die vorhandenen Daten und Informationen zugreifen. Weiterhin wird die Anzahl der Schnittstellen im Meldewesen geringgehalten, wodurch die Komplexität der gesamten Anwendungslandschaft mit jedem weiteren Meldeverfahren nur geringfügig ansteigt. 

 

Regulatorisch und technisch immer auf dem aktuellen Stand 

Kenntnisse über notwendige Anpassungen an bestehenden Meldeverfahren oder über potenziell neue Meldeverfahren erfordern ein regelmäßiges Monitoring der regulatorischen Rahmenbedingungen, beispielsweise über das Kommunikationshandbuch des Bundeszentralamt für Steuern (BZST) oder über entsprechende Rundschreiben des Bundesministeriums der Finanzen (BMF). Für eine Umsetzung benötigt es ein tiefes fachlich-regulatorisches sowie technisches Verständnis. Die regulatorischen Regelungen sind zu interpretieren und zu verstehen, als Anforderungen zu dokumentieren und es ist ein bestehendes Meldeverfahren anzupassen oder ein neues Meldeverfahren zu implementieren. Durch – die oben beschriebenen – einheitliche Schnittstellen ist sichergestellt, dass angepasste oder vollständig neue Meldeverfahren schlank integriert werden können, da diese auf die vorhandene Datenbasis aufsetzen.  

 

Da die Anforderungen des Meldewesens an eine 24/7-Verfügbarkeit mit großer Wahrscheinlichkeit zunehmen wird, sollten Versicherer und Vorsorgeeinrichtungen frühzeitig reagieren und sich im Meldewesen zukunftsfähig aufstellen. Hierfür kann das eigene Rechenzentrum, mit den notwendigen Skills, erweitert werden, oder es besteht die Möglichkeit, mit dem Meldewesen erste Erfahrung mit „Software-as-a-Service“ (SaaS) zu sammeln. 

 

Fazit 

Es ist erkennbar, dass regulatorisch verpflichtende Meldungen für Versicherungen und Vorsorgeeinrichtungen zunehmen werden. Zudem kommt vermutlich immer häufiger die Anforderung einer 24/7-Verfügbarkeit einzelner Meldeverfahren hinzu. Um diesen Herausforderungen effektiv zu begegnen, ist es zum einen entscheidend, Synergien über alle Meldeverfahren hinweg stringent zu nutzen, um diese effizient umzusetzen und zu betreiben. Hierfür eignen sich insbesondere einheitliche Schnittstellen zur fachlichen Datenversorgung über alle Meldeverfahren hinweg. Zum anderen sollten sich Versicherer und Vorsorgeeinrichtungen bereits heute auf weitere 24/7-Anforderungen im Meldewesen vorbereiten, beispielsweise indem frühzeitig Erfahrungen mit SaaS-Modellen gesammelt werden. 

 

Mit in|sure GovInterface stellt adesso insurance solutions eine spartenübergreifende Lösung zur Verarbeitung aller einzelvertraglicher und einzelpersonenbezogenen Meldungen an Behörden und deren Antworten zur Verfügung. in|sure GovInterface nutzt die einmalig implementierte Datenversorgung konsistent über alle Meldeverfahren hinweg. Damit können sowohl alle heutigen Meldeverfahren abgebildet und zukünftige Meldeverfahren schlank umgesetzt werden.