Business-Blog | adesso insurance solutions

Provisionssoftware als SaaS-Lösung! Nicht wirklich, oder doch?

Geschrieben von Stefan Genßler-Raue | 09.03.2023

Saas-Lösungen für Versicherungsunternehmen setzen sich immer weiter durch. Die digitale Transformation ist allgegenwärtig und zwingt Versicherer, schneller und kundenindividueller zu agieren. Besonders im Bereich der „kundennahen“ Systeme ist der Modernisierungs- und Innovationsdruck hoch. 
Doch wie sieht es mit Randsystemen, wie z. B. der Provisions- bzw. Commission-Software, aus? Sie wird von wenigen Mitarbeitenden im Unternehmen genutzt, ist oftmals nicht besonders modern, aber funktioniert immer noch. Das Wissen rund um Provisionsprozesse- und regeln ist nicht selten bei nur wenigen Schlüsselpersonen vorhanden. Kann SaaS die Lösung für die Modernisierung der Provisionssoftware sein? Und vor allem: Warum kann sie das sein? Um darauf eine Antwort geben zu können, sind verschiedene Aspekte zu betrachten. 

Warum ist das denn so kompliziert?
Jedes Versicherungsunternehmen verfolgt eigene Vertriebsstrategien und daraus resultieren individuelle Vereinbarungen mit Vermittlern. Die Geschäftsbeziehungen sind zum Teil jahrzehntelang gewachsen und von Vertrauen geprägt. Viele Veränderung im Unternehmen sowie neue gesetzliche Regelungen mündeten in neuen, zusätzlichen Vergütungsmodellen. Dies hat zur Folge, dass es eine Vielzahl an Regelungen in bestehenden Provisionssystemen gibt, die teilweise für einzelne Vermittler oder Vermittlergruppen gelten. 

In nicht wenigen Unternehmen wird das bestehende Provisionssystem als „Datendrehkreuz“ angesehen, denn „irgendwie hat das ja alles mit dem Vermittler zu tun und dann gehört es zum Bereich der Provision“. Gelegentlich soll das Provisionssystem auch Versäumnisse und Fehler aus anderen Systemen durch seine „heilende Wirkung“ und die helfenden Hände des Provisionsteams korrigieren. 
 
Was ist der Kern eines Provisionssystems für Versicherungsunternehmen?
Auch das Provisionssystem muss im Sinne eines klaren Domänenschnitts, der Eigenverantwortung der Fachsysteme und einer sauberen Prozesskette gesehen werden.
Auf das Wesentliche reduziert ist der Kern eines Provisionsabrechnungssystems: 
•    das Entgegennehmen von Geschäftsvorfällen aus Bestandssystemen 
•    das anschließende Berechnen der Provisionen 
•    Abgabe der Berechnungsergebnisse an Umsysteme wie z. B. Druck, Exkasso, DWH, Vermittlerportal 

Dabei sind die versicherungsspezifischen Provisionsregeln, Haftungs- und Verteilregeln auf Grundlage der individuell vereinbarten Vermittlerkonditionen anzuwenden. Diese Berechnungen können je nach Versicherungsunternehmen, Vertriebskanal und Versicherungssparte auf weniger komplexen Berechnungslogiken fußen oder auch hochkomplex sein. 

Saas und Provisions-Software für Versicherungen – ein Spagat zwischen den Welten? 
Die Provisionssoftware als Saas-Lösung bietet einen definierten Leistungsumfang sowie standardisierte Prozesse und Schnittstellen, die führend sind. Die in der Cloud zentral gespeicherten Daten sind dezentral abrufbar und ermöglichen so ein dezentrales Arbeiten an verschiedenen Standorten. 

Ein wesentliches Ziel bei der Einführung einer SaaS-Provisionssoftware kann die Vereinfachung und Standardisieren von Provisionsprozessen und eine hohe Dunkelverarbeitungsquote sein. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen in einer SaaS-Lösung eine Vielzahl von versicherungs- und spartenspezifischen Provisionslogiken- und Provisionsprozessen integriert sein. Nur damit lassen sich schnell und ohne großen Programmieraufwand sämtliche Provisionsregeln revisionssicher erstellen und im laufenden Betrieb verändern. Sind diese Voraussetzungen gegeben, dann lässt sich die Provisions-Software als SaaS mit geringem Aufwand implementieren. Hierbei kann SaaS seine vollen Stärken ausspielen: Konfiguration statt Entwicklungsaufwand. Das spart Zeit und somit Kosten. 

Ebenso muss eine moderne Provisionssoftware auch im SaaS-Modell:

  • unterschiedliche mathematische Berechnungsverfahren 
  • anpassbare Bewertungs-, Verteilungs-, Haftungs- und Auszahlungsregeln 
  • einer Vielzahl von gut dokumentierten Erweiterungspunkten der Software
    aufweisen. 
Diese sind elementarer Bestandteil einer individualisierbaren SaaS-Lösung im Versicherungsumfeld. Das versetzt das Versicherungsunternehmen in die Lage, eigenständig Features bei voller Releasefähigkeit auszuprägen.

Doch was ist, wenn die Provisionslogiken komplexer und vielfältiger sind? Einerseits muss die SaaS-Lösung einen hohen Grad an Konfigurierbarkeit aufweisen. Andererseits sollen Prozesse standardisiert werden. 
Genau hier ist der Spagat zwischen Eigenentwicklung und SaaS-Lösung zu meistern: 
  • Wie hoch ist der zeitliche und auch der finanzielle Aufwand, um komplexere Regeln und Prozesse zu integrieren? 
  • Welche Business Values können jeweils erzielt werden?
  • Welche Kosten und Risiken sind mit einem Einführungsprojekt einer Individuallösung verbunden? 
  • Wie lange dauert so ein Projekt? 
  • Welche Vorteile habe ich, wenn bisherige Regeln und Prozesse unverändert bleiben und in eine SaaS-Lösung integriert werden sollen? 
  • Welche Vorteile habe ich, wenn ich Geschwindigkeit und Kosten der Einführung einer SaaS-Lösunge gegen Individualität und Kosten der Individualität gegenüberstelle?

Die Fragen sind nicht nur kaufmännisch zu bewerten, sie sind vor allem fachlich und vertrieblich zu betrachten und müssen mit der IT-Strategie des Unternehmens übereinstimmen. 

In vielen Unternehmen ist der demografische Wandel bei der Anzahl und dem Alter der Mitarbeitenden in der Provisionsabteilung deutlich zu spüren. Die Zahl der geeigneten Bewerber*innen für offene Stellen in der Provisionsabteilung wird wahrscheinlich in den nächsten Jahren nicht unbedingt zunehmen. Auch daraus ergibt sich ein nicht zu unterschätzender Handlungsbedarf für Versicherungsunternehmen, damit auch in Zukunft die Provisionsabrechnung pünktlich und korrekt erstellt werden kann. 

Welche speziellen Vorteile bietet eine Software zur Provisionsabrechnung im SaaS-Modell?
Die Nutzung einer Provisionssoftware als SaaS-Lösung bietet zahlreiche Vorteile wie beispielsweise:

  • faster time to market durch Standard-Software mit definiertem Leistungsumfang und Standardprozessen
  • schnelle Anbindung von und zu Umsystemen eines Versicherungsunternehmens durch Standard-Schnittstellen
  • immer up to date: regelmäßige Updates, technischer und fachlicher Support durch SaaS-Anbieter verringern den IT-Aufwand auf Kundenseite
  • transparenten Kosten für Leistungsumfang, Betrieb und der benötigten Performance insbesondere bei Lastspitzen
Der Trend hin zu SaaS ist ungebrochen. Eine SaaS-Lösung ist für Unternehmen jeder Größe bei voller Kostentransparenz einsetzbar.

Datenschutz & SaaS – das ist wichtig
Bereits in der Vorauswahl eines geeigneten Commission-SaaS-Anbieters ist Datenschutz ein zentrales Kriterium. Als wichtigste Regeln gelten:

  • Datenschutz nach DSGVO
  • versicherungsaufsichtliche Anforderungen an die IT (VAIT) der Bafin
  • C5 Kriterienkatalog Cloud Computing des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI)
  • EIOPA Guideline für Cloud Outsourcing
Insbesondere nach dem Schrems II Urteil im Jahr 2020 liegt auch ein besonderes Augenmerk auf den Datentransfer in Drittländer.

Commission als SaaS – ist das vorstellbar?

Im Sinne eines klaren Domänenschnitts, der Eigenverantwortung der Fachsysteme und einer sauberen Prozesskette muss auch das Provisionssystem angesehen werden. Es ist ein unverzichtbarer Teil einer Modernisierungs- oder Markteintrittsstrategie der Versicherungs-IT und sorgt durch korrekte Berechnungen und Darstellung der Ergebnisse für eine wichtige Bindung und Reputation bei Vermittlern und im Markt!

Selbstverständlich lässt sich auch eine Commission-Software zur Provisionsberechnung als SaaS-Lösung betreiben! Die Einsatzmöglichkeiten sind bei planbaren Investitionen und ohne großes IT-Projekt vielfältig. In einer Provisionswelt mit unzähligen Sonderregeln ist es oftmals schwer, neue dynamische Vertriebsideen in kurzer Zeit umzusetzen. Mit einer Saas-Lösung lassen sich diese Ideen schnell am Markt testen und Vermittler abrechnen. Überall wird von „Tesla-Geschwindigkeit“ gesprochen: Mit einer Commission-SaaS-Lösung können Sie das auch! Vielleicht noch nicht in allen Vertriebskanälen und Sparten sofort, denn es gibt häufig auch Gründe, die dagegensprechen. Doch es gibt sehr viele Gründe und somit neue Möglichkeiten, die dafürsprechen! 

Lassen Sie uns gerne darüber sprechen, wie Provisionssoftware als SaaS-Modell ein Teil Ihrer Modernisierungsstrategie oder Bestandteil einer kompletten Saas-Plattform sein kann!